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Festvortrag vom 15. September 2002 von OStDir. Martin Hobmeier

(Ver√∂ffentlichung und Weiterverwendung auch in Ausz√ľgen ist nur mit Genehmigung des Verfassers m√∂glich).

300 Jahre Kirche St. Jakobus in Wendelskirchen

300 Jahre Kirche St. Jakobus in Wendelskirchen

Vortrag

Hochw√ľrdigster Herr Bischof, verehrte Geistlichkeit, Herr II. B√ľrgermeister, verehrte Angeh√∂rige der Expositurgemeinde, verehrte G√§ste!

Vor ziemlich genau 300 Jahren, am 10. September 1702, wurde die neu errichtete Kirche von Wendelskirchen geweiht. Die Baugenehmigung war am 10. Mai erteilt worden. So schnell baute man damals keine Kirche. Der Baubeginn selbst war schon wesentlich eher erfolgt. Man hatte zahlreiche Ma√ünahmen auf eigene Faust vorgenommen, bevor Regensburg die endg√ľltige Zusage gemacht hat. Es hei√üt in den Quellen, die alte Kirche sei abgetragen worden und man habe sie erweitert wieder aufgebaut.
In diesen Jahren des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts wurden sehr viele Kirchen im bayerischen Land barockisiert oder ganz neu gebaut, auch in unserer unmittelbaren Heimat:

  • St. Maria Himmelfahrt in Marklkofen 1703 (v√∂llige Neurenovierung)
  • St. Mari√§ Himmelfahrt, die Stadtpfarrkirche von Landau 1713
  • St. Mari√§ Himmelfahrt in H√ľttenkofen (heute Gem. Mengkofen) 1714
  • Wallfahrtskirche Dreifaltigkeitsberg entsteht 1710-1718
  • die Innenausstattung von St. Nikolaus in Rimbach stammt aus der Zeit um 1720
  • St. Mari√§ Verk√ľndigung, Mengkofen 1722
  • St. Martin in Martinsbuch 1726
  • Ende des 17. Jahrhunderts werden einschneidende Ver√§nderungen an St. Maria in Niederviehbach vorgenommen
  • St. Georg in Oberviehbach wird im fr√ľhen 18. Jahrhundert wesentlich ver√§ndert
  • 1732 soll St. Johannes Nepomuk in Th√ľrnthenning errichtet worden sein.
  • In G√∂ttersdorf wird um 1692 St. Elisabeth neu errichtet.
  • Die barocke Einrichtung von St. Leonhard in Weigendorf stammt wohl √ľberwiegend aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts.

Die Bauwerke in unserer Heimat waren Ausdruck einer im s√ľddeutschen Raum glanzvollen Epoche. Man hatte sich erholt vom Drei√üigj√§hrigen Krieg, die T√ľrken waren erfolgreich abgewehrt worden.
Der Regensburger Kirchenhistoriker, Professor Karl Hausberger, ein Bauernsohn aus der Gegend von Egglkofen, nennt es ein Aufatmen nach langem Druck und Jahrzehnten der Mutlosigkeit, dies habe sich vor allem in der Baukunst gezeigt. ‚ÄěEin harmonischer Zusammenklang von Religion und Politik, von gesellschaftlichen und kulturellen Werten, von Glaube und Wissen pr√§gte das farbenfrohe Antlitz jenes barocken Bayern zwischen Drei√üigj√§hrigem Krieg und Franz√∂sischer Revolution.“

Die Klöster- und die Klosterkirchen gingen hier vielfach voran:
Waldsassen, Speinshart, St. Florian bei Linz, St. Nikola in Passau, Kloster Banz usw.

Italiener wie Giovanni Battista Carlone oder Georg und Christoph Dientzenhofer seien genannt. In der Spätphase des Barock, dem Rokkoko, sollte die Kirchenbaukunst nochmals einen großen Höhepunkt erreichen (Gebr. Asam z.B.), aber hier wurde die religiöse Harmonie bereits durch den Geist der Aufklärung beeinflußt.

Die Volksfr√∂mmigkeit wurde einged√§mmt. Kurf√ľrst Max III. Josef, schr√§nkte (wie sp√§ter Montgelas) allzu viele Wallfahrten, mehrt√§gige Bittg√§nge (Walter Hartinger hat dies nachgewiesen) ein.

Der Kirchenbau des 17. und 18. Jahrhunderts wurde vom Staat gef√∂rdert. Die Menschen haben aus Eigenleistung heraus gro√üe Opfer gebracht. Das Gotteshaus war geistiges und geistliches, religi√∂ses Kraftzentrum. Es repr√§sentierte aber auch B√ľrgerstolz, Selbstbewusstsein der Region. Das Gotteshaus, der Pfarrhof, h√§ufig war auch eine √Ėkonomie dabei, Kirchensteuer gab es noch nicht, beherrschte das Dorf.

Vom Pfarrer ging auch eine wirtschaftliche Kraft aus. Aus den Kirchenrechnungen wissen wir, dass man Geld geliehen hat. Die erste bayerische Bank war die Hypotheken- und Wechselbank, gegr√ľndet 1835.
Vorher gab es in F√ľrth eine j√ľdische Bank. Als die Kl√∂ster 1802/03 s√§kularisiert wurden, aufgel√∂st wurden, wollte man auf deren Guthaben zugreifen. Die meisten hatten es auf Wiener Banken deponiert, und die gestatteten dem Kurf√ľrstentum Bayern keinen Zugriff.
Der Pfarrer war auch Bauer, h√§ufig Modernisierungen eher aufgeschlossen als andere (so Alois Schmid). Der Pfarrer war Ortsschulinspektor, also Schulrat f√ľr den Dorfschulmeister, bis zum Ende des 1. Weltkriegs.
Einer der letzten √Ėkonomiepfarrer war Johann Kaspar von Binabiburg, der dem Papst bei seinem ersten Deutschlandbesuch 1980 den Gegenwert eines Stieres vermacht hat.

Die jahrelang kultivierte Rivalit√§t zwischen Loiching und Teisbach geht zur√ľck auf eine unterschiedliche gesellschaftliche Struktur: hier Bauern, mittlere und kleine Landwirte ‚Äď dort √ľberwiegend Handwerker und H√§ndler. In Teisbach jedoch sa√ü der Landrichter (Finanz-, Milit√§r, Verwaltungshoheit, Gerichtshoheit in einem), dem die Gegend im Weltlichen unterstand.
In Loiching war der Pfarrer, geistlicher Herr, √Ėkonomiepfarrer, noch dazu nicht vom Bischof, sondern vom Domkapitel eingesetzt.

Die Pfarrökonomie mit ihren Bauten hatte drei Funktionen:

  • Eigene Landwirtschaft,
  • Entgegennahme des Zehent, der Naturalabgaben der Hintersassen, also der abh√§ngigen Bauern,
  • Repr√§sentativbau zur Demonstration von Wohlstand und Ansehen.

Georg Wolfgang Wedl, der Pfarrer von Loiching, hat den Kirchenbau von Wendelskirchen vorangetrieben, die formalen und wirtschaftlichen Voraussetzungen organisiert. Der Wille, die Kraft, der Glaube und die finanziellen Leistungen der Filialkirchengemeine haben ihn ermöglicht.

Die Expositur wurde 1737 gegr√ľndet, ist also nicht 300 Jahre alt, sondern 265.

Die Tradition eines Gotteshauses in Wendelskirchen geht weit hinter 1702 zur√ľck. Der Ortsname l√§sst eine sehr alte Kirche vermuten, wohl einen Holzbau, wie viele in der Gegend.

Die M√∂glichkeit, wie vielfach vermutet, da√ü die Kirche dem Hl. Wendelin geweiht gewesen sei (Patr. 20. Okt.), vor dem Hl. Jakobus dem √Ąlteren (25. Juli), d√ľrfte sehr unwahrscheinlich sein, obwohl der Hl. Wendelin als Patron der Hirten und Herden gilt. Patrozinien des Hl Wendelin kommen in unserer Gegend praktisch nicht vor. St. Jakob der √Ąltere kennt man als Schutzherrn f√ľr Pilger und Wallfahrer. Wir wissen den Grund f√ľr die Wahl des Patrons nicht.

Beinamen zur Nachsilbe ‚Äď kirchen bezeichnen entweder die Lage des Ortes, Waldkirchen = am Wald, Aufkirchen, die hochgelegene Kirche. Oder man erinnert an den Gr√ľnder des Ortes: das hei√üt, ein Wendelger z.B. h√§tte dies getan.

1140 wird in der Chronik des Klosters Aldersbach ein Mönch Werinhardus de Wendelchirchen genannt. 1333 kann man ein Wendelgerschirchen finden, 1418 findet sich in einer Urkunde der Grafen von Frontenhausen der Ortsname.

Die sichere Nennung erste Nennung eines Gotteshauses liegt 140 Jahre später:
1558 wird in der ältesten im Landshuter Archiv vorhandenen Kirchenrechnung vom St.Jakobs-Gotteshaus von Wendelskirchen gesprochen.

Kirchenpröpste (Pfleger) waren ein Michael Stemer am Stemer, daher die Bezeichnung Stemmerer Höhe, außerdem ein Sigmund Zipfelmaier am Puechet (der große Buechtner).

Die Hauptreparatur in diesem Jahr war:
‚Äěein Schlosse vom Khirchenschli√ül abgerieben worden,
wider zerleten und vom Schlo√ü wider anzeschlagen.“
Kosten: 1 Schilling, 1 Pfennig, 1 Heller.

1611 heißt es:
Das Glockengestell ist verfault und baufällig,
‚Äěso da√ü man sich besorget, die Glocken mechten
herundterfallen, derowegen solches sambt den
glockenhelmen von neuem miessen gemacht werden,
hierzu erkauft aichenes und ein zimmerholz.“

So kann man regelm√§√üig alle zehn Jahre die Kirchenrechnung √ľberpr√ľfen. Gr√∂√üere Ereignisse sind nicht verzeichnet. Es handelt sich um den Zustand des Gotteshauses, ein Verzeichnis √ľber Einnahmen und Ausgaben.

Wendelskirchen zählte zu im Verhältnis besser ausgestatteten Filialkirchen. Schlechter ging es z.B. Piegendorf.
Leider hat man im Landshuter Archiv die Kirchenrechnungen aus Platzmangel nur f√ľr alle 10 Jahre aufgehoben.

Die Filialkirche wurde von einem der Loichinger Kapl√§ne, dem Kooperator, betreut. H√§ufig gingen sie die Strecke zu Fu√ü, √ľbernachteten im kalten Gotteshaus, √ľber oder in der Sakristei.
Der Wunsch nach einem eigenen ansässigen Priester, einem Expositus, wurde schon 1597 erstmals schriftlich festgehalten.
Das Spenden der Sakramente, vor allem der Versehgang, geschah bei der Entfernung immer wieder sehr verzögert.
Man beschwerte sich, dass immer wieder Gottesdienste ausgefallen sind. Der Kaplan musste neben seinen geistlichen Verrichtungen in der Landwirtschaft kr√§ftig mithelfen und war nicht immer abk√∂mmlich. Die Beschwerde von 1597 ging √ľber den Pfleger von Teisbach, Urban von Stinglhaimer, an den Bischof von Regensburg.
Die Reaktionen der Diözese und des Loichinger Pfarrers Johann Schwegler sind nicht bekannt. Eine Expositur wurde jedenfalls nicht errichtet.

Während des 30-jährigen Krieges hatte man sicherlich andere Sorgen. Besonders schlimm neben den Kriegseinwirkungen waren die Seuchen, vor allem eine verheerende Pestepidemie im Jahre 1634. Ganze Landstriche verödeten, die Agrarpreise waren enorm gefallen.

Noch 1631 hatte die alte Wendelskirchener Kirche einen neuen Hochaltar erhalten. Von einem eigenen Expositus war man damals weit weg:
Von 1637 bis 1642 etwa war in der ganzen Pfarrei Loiching, also Loiching, Teisbach, Wendelskirchen, dazu in Weigendorf, Gummering, S√ľ√übach, von Gaubitzhausen bis Maierhof, ein einziger Kooperator. Der Loichinger Pfarrer war 1637 verstorben. Der Kooperator hat sich auch um Wendelskirchen gek√ľmmert. Seinen Namen k√∂nnen wir nicht mehr ermitteln. W√ľ√üte man ihn, m√ľsste man dem Mann ein Denkmal setzen.

St. Jakob war 1640 sehr schadhaft: Turm, Sakristei, Langhaus waren baufällig. 1642 kam wieder ein neuer Pfarrer, Dr. Andreas Kiermayer, der viel renovierte. Später wurde er Stadtpfarrer von Pfarrkirchen.

Gegen Ende des Krieges (ab 1643/44) zogen kaiserliche und schwedische Truppen von der Donau her nach Landshut, nahmen mit, was nicht niet- und nagelfest war, mordeten, brandschatzten, pl√ľnderten, es war der sogenannte Kehrab des Krieges. Man nimmt mit, was man vor der Beendigung des Krieges noch bekommen kann.

Der Loichinger Pfarrer Richard Manghofer war im Auftrag des Bischofs Franz Wilhelm Graf von Wartenberg als eine Art Pfarrinspektor unterwegs, um im S√ľden des Bistums nach dem Rechten zu sehen.
Viele Priester wurden amtsenthoben (unfähige Personen hatten die Wirren des Krieges zur Amtserschleichung benutzt).
Manghofer hat auch den Zustand der Pfarreien beschrieben, auch den seiner eigenen:
Viel sei abgebrannt, sie könnten ihre Abgaben nicht zahlen, er sei der letzte, der ihnen (den Pfarrangehörigen) den letzten Heller nehmen wolle.
In Gummering konnte nicht einmal mehr die Kirchent√ľr geschlossen werden. Er habe mit einem Strick die T√ľr zugebunden, damit die wilden Tiere nicht hineink√∂nnten.
‚ÄěSintemalen das ganze D√∂rflein thot, khein ainzig Mensch mehr wohnhaft da.“
√Ąhnlich sei es auf der √Ėd und in Massendorf.
In Wendelskirchen waren vor den Kehrab noch vorhanden:
ein guter Kelch, drei Meßgewänder, ein lidernes Antependium (Verkleidung der Vorderseite des Altars), 1 Altartuch und dergleichen, daß man Gottesdienst allda halten kann, 1 schöne Fahne, an aufliegendem Geld 600 fl., jetzt aber NIHIL (NICHTS) , wie bei anderen Kirchen.

Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges hatte von den bayer. Rentämtern (eine Art Regierungsbezirk) am stärksten das Landshuter, wo wir dazugehörten, getroffen.
Die Einwohnerzahl Landshuts z.B. war von 12.000 auf 2.500 gesunken. In ganz Bayern waren 900 Orte niedergebrannt. Noch im Jahre 1745 lagen in Bayern 10.000 gr√∂√üere und kleinere Bauernh√∂fe √∂de und verw√ľstet.

Im Jahre 1666 erh√§lt der Loichinger Pfarrer, der Krieg ist seit 18 Jahren zu Ende, von der Di√∂zese die Mitteilung, dass drei Wendelskirchner B√ľrger in Regensburg gewesen seien und sich wegen fehlender Gottesdienste und schlechter Predigten beschwert h√§tten. Sie wollten einen eigen Kooperator, Manghofer h√§tte doch einen.
Manghofer schreibt an den Bischof (Adam Lorenz, Graf von T√∂rring). Der Pfarrer argumentiert: Von 52 Sonn- und Feiertagen gingen 11 bis 12 weg, da die Kapl√§ne die Weihegottesdienste in den √ľbrigen Filialkirchen halten m√ľssten. Ansonsten seien Gottesdienste in Wendelskirchen. Die Predigten seien nicht schlecht, die Kapl√§ne predigten nach seinen Instruktionen. F√ľr eine eigene Kooperatur fehlten der Pfarrei die Einnahmen. Und er schlie√üt in seinem Brief vom 15. M√§rz 1666:
‚ÄěMeine Herren Pauren zu Wendelskirchen zanken und greinen selbst miteinander, gibt einer dem andern die Schuld, da√ü er klagt habe. Es wird auch viel gerauft. Man wird so bald keinen mher in Regensburg sehehn und klagen h√∂ren.“
Da sollte sich der Herr Dekan aber gewaltig irren:
Die Wendelskirchner haben begleitend zu einer noch stärkeren Waffe gegriffen: Sie haben anscheinend den Zehent nicht mehr oder nicht mehr vollständig bezahlt (Naturalabgaben).
Es kommt, vermittelt durch den Dekan von Frontenhausen, zu einem Verh√∂r von verschiedenen B√ľrgern aus W. (22) in Regensburg. Der Bischof erh√§lt vom F√ľhrer des Verh√∂rs, dem Domdekan, einen Brief, in dem es u.a. w√∂rtlich hei√üt: ‚Äě…verlangen des merer Theils … ganz halsstarrig… und gleichsambzusammengeschworn…einen bestendigen Caplan…“. Schlie√ülich entscheidet man in Regensburg (Brief an den Loichinger Pfarrer):
An 26 Tagen im Jahr (also praktisch jeden zweiten Sonntag) solle von Loiching aus in Wendelskirchen Gottesdienst gehalten werden, und man solle es dabei bleiben lassen.
Die Beschwerden gehen weiter. Aus einem Brief des Manghofer an einen Studienfreund (Dr. Kaspar Riermeier, kurf. Rat und Dechant zu St. Peter in M√ľnchen) im Jahre 1669 geht hervor, worum gestritten wurde.
Manghofer h√§lt einen eigenen Kaplan f√ľr W. nicht f√ľr notwendig, den die Kontribution (Einnahmen) sei zu gering. Er sei jetzt seit 1648 Pfarrer von Loiching, insgesamt stehe er 36 Jahre auf der Kanzel. Es sei Pflicht in W. Gottesdienste zu halten, au√üer an Tagen, an denen die ganze Pfarrei feiere. An den vier Quatembersonntagen m√ľsse in Gummering, S√ľ√übach, Weigendorf und Piegendorf Gottesdienst gehalten werden, es verblieben in Wendelskirchen 37 bis 38 Gottesdienste.
‚ÄěSie liefern den Zehent nicht ab, lassen ihn im Stadel liegen, bis er verfault!“
Aus dem Schreiben wird weiter deutlich, wogegen sich die Wendelskirchner erneut beschwert haben:
zu wenig Gottesdienste
am Ostertag zu wenig Kommunionmöglichkeiten
zu wenig Beichtgelegenheit während des Jahres
zu wenig Taufen, Begräbnisse und Krankensalbung
die Kirche ist im Winter zu kalt
Predigten nicht nach Glaubensartikel und Katechismus
Weg zur Loichinger Kirche sei zu lang
Manghofer weist alle Vorw√ľrfe zur√ľck.
Die Krottenthaler, Göttersdorfer, Pischelsdorfer, Maierhofer hätten nach Wendelskirchen weiter als nach Oberviehbach und Gerzen.
Dann kommt wieder das finanzielle Argument:
Vor Zeiten habe man aus W. 1600-1700 fl. Einnahmen gehabt, jetzt um 700-800.
Zwei neue Kapläne (auch in Teisbach war man zu der Zeit sehr rebellisch) könne man sich nicht leisten.
Die Wendelskirchner wenden sich an den Pfleger von Teisbach, der hilft ihnen zwar nicht direkt, meint aber, dass die Sache mit dem nicht abgelieferten Zehent ein sehr wirksames Druckmittel sei, denn wenn der Loichinger Pfarrer keinen Zehent von Wendelskirchen bekomme, liefere er auch keinen Anteil beim Domkapitel in Regensburg ab.
Pfleger √Ėxl wendet sich mit einem Brief an den Bischof von Regensburg.
Manghofer erh√§lt den Befehl, den W. einen eigenen Kaplan zu geben. Er beklagt sich, wie b√∂se die W. mit ihm umspr√§ngen. Er sei jetzt des Streites m√ľde und sattle bald sein Pferd. Das hei√üt, er wolle in den Ruhestand. Es ist m√∂glich, dass jetzt h√§ufiger Gottesdienste in Wendelskirchen waren. Ein eigener Kaplan ist in Wendelkirchen aber nicht nachweisbar. Loiching selbst scheint in den Folgejahren auch nur einen Kaplan besessen zu haben.
Vom Temperament her war Manghofers Nachfolger Georg Lueger wohl nicht gewillt, weiter entgegenzukommen. Er hatte ja bereits 1695 Teisbach zur Expositur machen m√ľssen. Weitere Zugest√§ndnisse wollte er nicht, oder konnte es sich nicht leisten.
1696 kam nach Loiching Dr. Georg Wolfgang Wedl, einer der größten Wohltäter der Pfarrei, der bis 1731, 35 Jahre als Pfarrer wirkte.
So sahen die Herrschaftsverhältnisse zu seiner Zeit aus:
Bischof von Regensburg war der Wittelsbacher Joseph Clemens, Herzog von Bayern.
Adels- und F√ľrstens√∂hne wurden mit Bischofssitzen bedacht, der √§lteste Sohn war in der Regel Erbe und Nachfolger des Vaters. Die eigentliche geistliche Arbeit in der Di√∂zese erledigte der Koadjutor. Die Di√∂zese war der geistliche Herrschaftsbereich, das Hochstift das weltliche Gebiet, in dem der Bischof wie ein weltlicher F√ľrst regierte. Die Di√∂zese reichte vom Egerland bis an die Rott, im Westen bis kurz vor Ingolstadt, im Osten bis Westb√∂hmen mit der Grenze zum Bistum Budweis.
Das Hochstift war klein: Hohenburg, Donaustauf und W√∂rth, in Regensburg geh√∂rte dem Bischof fast nichts. Das Hochstift Passau z.B. umfasste den sp√§teren Landkreis Wolfstein, gewaltig war das Gebiet des Hochstifts von Salzburg, weitab vom eigenlichen Gebiet geh√∂rte auch M√ľhldorf dazu.

Im Kurf√ľrstentum B. regierte Kurf√ľrst Max II. Emanuel 1679 bis 1726, verwickelt in zahlreiche Kriege, w√§hrend des Span. Erbfolgekrieges war er u.a. Statthalter in den Niederlanden, erstrebte die K√∂nigsw√ľrde f√ľr seine Person, daf√ľr war er bereit, einen hohen Preis zu zahlen, bei Verhandlungen mit Ludwig XIV. ging er soweit, Bayern mit Neapel-Sizilien zu vertauschen. Andererseits f√∂rderte er die K√ľnste, und die Errichtung vieler Kirchen – auch Dorfkirchen ‚Äď ging auf seine Regierungszeit zur√ľck.

Zur√ľck in die Heimat.
In Teisbach sa√ü als Pfleger und Landrichter von 1667 bis 1706 Konrad Bartholom√§us Oexl, den ich schon erw√§hnt habe. Dieser hatte sich in den Streit um die Teisbacher Expositur sehr zur√ľck gehalten. Der Streit war von Pfarrer Lueger und den Teisbachern hart gef√ľhrt worden, der Pfarrer hatte u.a. den aufm√ľpfigen Teisbachern einmal die Fronleichnamsprozession gestrichen oder kein Heiliges Grab aufgebaut.
Letztlich wurde er von Regensburg zur Errichtung einer Expositur Teisbach gezwungen. Ein Kooperator musste in Teisbach Wohnung nehmen. Auch das geschah sehr zögerlich und mit Streitereien.

In Wendelskirchen sah man wohl, was die Teisbacher erreicht hatten. So war die Entscheidung des Dr. Georg Wolfgang Wedl, die Kirche in Wendelskirchen neu zu errichten, auch eine politische, um Ruhe in die Pfarrei, in die Filialkirchengemeinde zu bringen. Er stiftet f√ľr Loiching das sogenannte Wedl‚Äôsche Benefizium, wodurch ein zweiter Kaplan f√ľr Loiching auf ewige Zeiten finanziert werden sollte. Das hat nat√ľrlich auch auf Wendelskirchen Einfluss.

Die bauf√§llige alte Kirche in Wendelskirchen wurde abgetragen, man begann auf eigene Faust, die Bauleitung hatte Maurermeister Johann Androy von Stadtamhof (bei Regensburg). Unter gro√üer Mithilfe der Bev√∂lkerung wurden 232 fl. (fl. = Gulden) gesammelt, die gesammelten Materialien machten zus√§tzlich 561 fl. Gulden aus. Zum Vergleich: Das Jahresgehalt eines Kooperators betrug ca. 15 fl. Es gab Zusch√ľsse von der Regierung, von der Di√∂zese, der Pfarrei. Der Maurermeister gab an, mit seinen Leuten 995 Stunden gearbeitet zu haben.
Pfarrer Wedl rechnete mit spitzem Bleistift und stritt sich mit dem Maurermeister noch drei Jahre um 33 Gulden. Ca. 25 Briefe gingen hin und her, als Schlichter trat schließlich das Domkapitel auf.
Am 10. Mai 1702 war die Baugenehmigung f√ľr eine Kirche erteilt worden, die zum gro√üen Teil schon fertig gewesen sein muss. Am Sonntag, den 10.September 1702, dem 13. Sonntag nach Trinitatis (nach Pfingsten), wurde sie feierlich eingeweiht. Wer die Weihe au√üer Pfarrer Wedl vornahm, wissen wir nicht.

Aus der Zeit des Pfarrers Wedl kann berichtet werden, dass er mit den Wendelskirchnern in bestem Einvernehmen war, dass er die Gottesdienste regelm√§√üig versah. Er geleitete die Pfarrei sicher durch die Unbilden des Span. Erbfolgekrieges, der ja u. a. 1705/1706 in Altbaiern zu Bauernaufst√§nden gef√ľhrt hatte. √Ėsterr. Truppen haben unser Gebiet h√§ufiger heimgesucht.

Der Nachfolger von Dr. Wedl, Franz Anton Seiz, war nur f√ľnf Jahre Pfarrer, er starb am 29. Mai 1736. Bereits am 1. Juni wenden sich die B√ľrger Franz Pleybrunner und Franz Nestler als Beauftragte der Kirchengemeinde zu Wendelskirchen, an den Bischof von Regensburg. Sie bitten um einen eigenen Expositus und schlagen gleich den Kaplan Johann Franz Schmidt vor, der sie schon √∂fter betreut habe.
Warum wählen die Wendelskirchner den Zeitpunkt unmittelbar nach dem Tod des Pfarrers?
Loiching war eine der gr√∂√üten, und auch eine der reichsten Landpfarreien der Di√∂zese. Es handelte sich um eine Pfarrei, deren Eink√ľnfte als Grundherrin dem Domkapitel zufielen (Zehent). Allein in Loiching war man Eigent√ľmerin von 22 Anwesen. Ein Pfarrer der amtiert, ist nicht so leicht umzustimmen. Einem Pfarrer, der sie erst bekommen soll, kann man ggf. Bedingungen stellen. Das hei√üt, das bisch√∂fl. Consistorium und das Domkapitel machen dies.
Eine Expositur bedeutete f√ľr die Hauptkirche sicherlich einen Einnahmeverlust. F√ľr einen neuen Pfarrer war Loiching aber immer noch lukrativ genug.
Kurz und gut, nach intensiven Verhandlungen, einer Stellungnahme des Dekans von Dingolfing, des Dekans von Amberg, der fr√ľher Kaplan in Loiching war und eine Karte mit Entfernungen zeichnet, des Pflegers von Teisbach, der Wendelskirchen unterst√ľtzt, schlie√ülich stimmt der k√ľnftige Pfarrer von Loiching, Josef Pauer, zu.
Mit Consistorialresolution vom 20. März 1737 wird Wendelskirchen zur Expositur erhoben.

47 Priester √ľbten seit dieser Zeit das Amt des Expositus aus: von Johann Franz Schmidt bis Albert Menhart. Eine Reihe davon hat hier die letzte Ruhest√§tte gefunden. Die meisten waren nur wenige Jahre im Amt, 4-5 Jahre etwa.
13 Jahre wirkte Michael Gebhard von 1908 bis 1921, ebenso Georg Gr√∂tzinger von 1947-1960, der zu unserer gro√üen Freude heute anwesend ist. 23 Jahre war Thomas Sch√∂ls da, von 1934 bis 1947. Und weitaus am l√§ngsten Albert Menhart, 1960 bis 1989, fast drei Jahrzehnte, Ehrenb√ľrger der Gemeinde Loiching. Der einzige lebende Ehrenb√ľrger der Gemeinde Loiching, Altb√ľrgermeister Max Haslbeck ist ebenfalls anwesend und gibt uns die Ehre. Heute betreut der Pfarrer von Loiching, Josef Forstner, die Expositurgemeinde, gewisserma√üen als Expositus h.c., ehrenhalber.

Die Expositurgemeinde hat eine lange und wechselvolle Geschichte, von der anekdotenhaften Geschichte √ľber den Bierausschank einerseits (nachweisbar wurde vom Expositus ‚Äď es gab kein Wirtshaus in Wendelskirchen ‚Äď von 1754 bis 1816 Bier ausgeschenkt, seit 1786 mit oberhirtlicher Genehmigung), andererseits gab es eine Zeit, in der Geistliche aus politischen Gr√ľnden einen schweren Stand hatten, verh√∂hnt und bedroht wurden, so Expositus Ludwig Fischl beim sogenannten Haberfeldtreiben vom 7. auf den 8. Juli 1933, mit Spottges√§ngen, Sachbesch√§digung. Anf√ľhrer, so die Regierung, nach einer Dienstaufsichtsbeschwerde Fischls, sei ein Lehrer aus der n√§chsten Umgebung gewesen, Die Regierung stellte das Verfahren jedoch ein, der Lehrer erhielt eine R√ľge, weil man sich als Vorbild der Jugend nicht in der Nacht herumtreibe. Fischl verlie√ü ein Jahr sp√§ter die Gemeinde und ging nach Lederdorn. Er war √ľbrigens leidenschaftlicher Motorradfahrer und stellte letztendlich seinen Wendelskirchnern doch ein gutes Zeugnis aus.
Der Vorfall von 1933 stellt wohl eine Ausnahme dar. Die Priester der Expositur genossen in der Bev√∂lkerung hohes Ansehen, und in ihrer Sorge f√ľr das Gotteshaus wurden sie immer tatkr√§ftig mit handwerklichem Geschick, mit finanziellen Mitteln oder bei Verhandlungen mit den zust√§ndigen Stellen unterst√ľtzt.

1816 wurde im Pfarrhof eine Schule eingerichtet.
Seit 1802/03 gab es schlie√ülich die Schulpflicht f√ľr die sogenannte Trivial-/oder Volksschule im Kurf√ľrstentum (sp√§ter K√∂ngreich) Baiern.
Georg Kollmannsberger trug Sorge f√ľr eine bessere Ausstattung der Kirche, z.B. durch eine Orgel, das Kuppelt√ľrmchen wurde durch einen spitzen Turm ersetzt.
1851 sorgte Johann Georg Michel f√ľr neue Glocken, f√ľr Renovierung u. a. der Sakristei, 1853 zogen vier neue Heilige in die Kirche, man hatte sie von der Pfarrei Frontenhausen k√§uflich erworben: Johannes Nepomuk, Johannes Ev., Johannes der T√§ufer, Franz Xaver.
Georg Lecker sorgte in den wenigen Jahren seiner Amtszeit (1863-66) f√ľr eine gr√ľndliche Renovierung, f√ľr Neuanschaffung eines Kreuzweges.
1872 wurde ein Schulhaus errichtet, also Trennung von Schule und Expositur.
1891 wurde die Kirche innen und au√üen gr√ľndlich renoviert, Johann Baptist K√ľhner wurde unterst√ľtzt vom Loichinger Pfarrer Dr. Johann Kumpfm√ľller

Ich gehe jetzt nicht ein auf die zahlreichen Reparaturen und Erneuerungsmaßnahmen nach dem II. Weltkrieg und in den letzten Jahren, da wissen viele der hier Versammelten besser Bescheid als ich. Man hat mit großem Engagement und Aufwand dieses prächtige Kleinod erhalten und gepflegt.
Der Pfarrer, der Expositus war/ist nicht nur Geistlicher, Seelsorger, sondern auch angesehener, kenntnisreicher B√ľrger, Akademiker, der sich in Wort und Schrift auskennt, der in vielen weltlichen Dingen Rat und Hilfe geben kann.
So war Expositus Johann Baptist Bäuml Initiator und dann Rechner des Raiffeisenvereins im Jahre 1896.
Hilfe beim Schriftwechsel mit Beh√∂rden, Schlichter bei Streitigkeiten, bei Erbauseinandersetzungen usw. waren h√§ufige Hilfsdienste des Expositus f√ľr ihm anvertraute Gl√§ubige.

Verehrte Anwesende,
die Geschichte einer Kirche einer Kirchengemeinde ist ein Wechsel von Freud und Leid, von Zeiten des Wohlstandes und auch der Not. Ein Gotteshaus spiegelt wider, wie es den Menschen in einer bestimmten Epoche ergangen ist. So mag eine teure Skulptur in Zeiten des Zufriedenheit und Prosperität von ihrem geistigen Hintergrund, dem Motiv der Beschaffung vielleicht weniger wert sein als eine einfachere Figur, die man sich in Notzeiten noch leisten konnte.
So wie 100 Euro des betuchten Gesch√§ftsmannes objektiv zwar mehr sind als die 5 Euro der armen Rentnerin, subjektiv steckt kann hier jedoch ein ganz anderes Opfer, eine andere Einstellung dahinterstehen. Die Geschichte lehrt uns. dass wir in guten Zeiten nicht √ľberm√ľtig werden sollen, in schlechten aber auch nicht verzagen sollten.
Wenn man längere Zeit aus der Heimat weg ist, sei es auch nur zu einem ausgedehnterem Urlaub, dann weiß man die Schönheit der Heimat wieder eher zu schätzen als vorher.
Wahrzeichen, unverkennbares Merkmal ist die Kirche, nahezu gleichg√ľltig, aus welcher Himmelsrichtung man kommt. Der Turm gr√ľ√üt den Ank√∂mmling oder verabschiedet den Scheidenden. Er erinnert aber auch, dass es √ľber das Materielle hinaus etwas Wichtigeres gibt.
Als die Kirche 1702 barockisiert wurde, war sicherlich die Geisteshaltung des Barock im Hintergrund. Genie√üe das Leben, das Diesseits. Glaube ist auch etwas Fr√∂hliches, Offenes. Dies zeigen Farbe und Bewegung in der Kunst. Barock kommt aus dem Italienischen ‚Äěbarocco“, was so viel bedeutet wie ‚Äěschiefrund“, weg von der Strenge der Renaissance, der Gotik , der Romanik. So sehr er dem Diesseits zugewandt ist, so wenig vergisst der barocke Mensch das Jenseits. Leben und leben lassen, unter dem Segen des Herrgotts. Das ist ein altbairisches Motto, das wohl auch in die Barockzeit gepasst h√§tte. So ist der Geist von 1702 in gewisser Weise heute noch lebendig.